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Klimasituation im November 2016

[23.11.2016]

Der El Niño hatte schon letztes Jahr das Wetter kräftig durcheinander gebracht. Neue Rekordtemperaturen, zurückgehende Meereisflächen und viele Tropenstürme waren weltweite Auswirkungen. Aber auch dieses Jahr sind die Folgen weiterhin zu spüren.


Nachdem die globale Temperatur, berechnet aus den Messwerten der Wetterstationen, im März einen Rekord von 1,23 Grad Celsius über Normal erreichte, kühlte es sich in den Folgemonaten schneller ab, als es sich vorher erwärmte. Im Oktober lag das Plus nur noch 0,73 Grad Celsius über dem klimatischen Mittelwert. Die Satellitenmessungen hatten im März nur ein Plus von 1 Grad Celsius ermittelt. Folglich fiel auch der Wert für Oktober mit einem Plus von ca. 0,35 Grad Celsius deutlich niedriger aus. Ebenso ist erkennbar, dass die Temperaturen über der weltweiten Landfläche nur noch 0,1 Grad Celsius über dem klimatischen Mittelwert liegen. Betrachtet man die Landfläche nördlich der Tropen, so ist alles im normalen Bereich. In den Ozeanen ist es entsprechend wärmer geblieben. Vor allem in den nördlichen Meeren ist es noch außergewöhnlich warm.


Diese außergewöhnliche Wärme in den nördlichen Bereichen des Nordatlantiks und des Pazifiks spielt bei der winterlichen Meereisbildung am Nordpol eine entscheidende Rolle. Dort bildet sich zwar derzeit Meereis, aber deutlich langsamer als üblich. Im Herbst war der Rückgang zum Minimum deutlich schwächer ausgefallen als noch 2012, doch der derzeitige Anstieg konnte diesen Vorsprung nicht lange nutzen. Derzeit liegt die Ausdehnung bei rund 8,7 Millionen Quadratkilometern und somit in etwa 1,2 Millionen Quadratkilometer niedriger als noch im letzten Jahr zu dieser Zeit. Nun bleibt abzuwarten, wie lange sich die warmen Wassermassen noch halten und die Eisbildung hemmen.


In der Südhemisphäre kehrt derzeit der Sommer ein und so ist ein Eisrückgang am Rande der Antarktis normal. Doch seit Anfang November hat sich der Trend sehr verstärkt. Schuld sind auch hier warme Wassermassen, die im südlichen Winter und Frühling deutlich an Intensität gewonnen hatten. Zum Nachteil wird auch die derzeit gegenüber dem Nordpol größere Meereisausbreitung, die gleichzeitig mehr Kontaktfläche mit dem warmen Wasser bedeutet.


Der weitere globale Temperaturtrend lässt sich derzeit an der Höhe der Tropopause ablesen. Die Trends beider Hemisphären weisen abwärts. Dem gegenüber stehen jedoch der Index von AMO und PDO. Beide Oszillationen liegen derzeit weit im positiven Bereich. Für die AMO ist diese Situation gemessen an den letzten 160 Jahren normal. Die PDO hingegen liegt seit 3 Jahren im positiven Bereich, obwohl die charakteristische Schwingung der letzten 100 Jahre zuvor auf eine negative Phase hindeutete. Diese wurde zwar bereits im Jahre 2007 erstmals erreicht, aber durch den aufkommenden starken El Niño beendet. Bleibt abzuwarten, wie sich die PDO verhält, wenn die Temperaturen im äquatorialen Pazifik weiter zurückgehen. Der El Niño selbst ist bereits zuende gegangen. Schon seit 4 Monaten liegt der ENSO-Index im mittleren negativen Bereich und dürfte diesen auch in den kommenden Monaten halten.


Ebenso vom El Niño beeinflusst war der globale Meeresspiegel. Der Trend geht zwar allgemein weiter aufwärts, doch befindet er sich derzeit wieder auf dem Niveau von Ende 2015 und Ende 2014. Zum Höhepunkt des letzten El Niño lagen die Satellitenmessungen zwischenzeitlich deutlich höher. Aber dies ist typisch für das pazifische Wetterphänomen.


Die Tropensturmsaison ist 2016 wieder etwas stärker ausgefallen. Der erste Hurrikan Alex bildete sich Mitte Januar, ist aber eher ein Nachzügler der Saison 2015 gewesen. Der zweite Tropensturm namens Bonnie bildete sich Ende Mai zu Beginn einer typischen Hurrikansaison. Derzeit ist Hurrikan Otto in der südwestlichen Karibik aktiv. In den kommenden Tagen soll er mit westlichem Kurs über die schmale Landbrücke Mittelamerikas in den Pazifik weiterziehen.


Die Aktivität der Sonne geht unterdessen weiter zurück. Der Index hat im November kaum noch die 40 erreicht. In den nächsten Monaten können aber durchaus noch einmal höhere Werte zwischen 50 und 60 auftreten. Allgemein setzt sich der Trend zum kommenden Minimum fort, das frühestens 2019 oder 2020 erreicht wird.


Redaktion meteo.plus