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Hurrikan-Saison im Nordatlantik

[22.04.2019]

Die Hurrikan-Saison im Nordatlantik hat noch nicht begonnen. Dennoch bilden sich bereits die Voraussetzungen für die gefährlichen Tropenstürme. Der erste Trog befindet sich schon auf halbem Wege.


Bisher ist es auf dem Nordatlantik ruhig geblieben. Die Saison beginnt gewöhnlich auch erst im Juni, doch in manchen Jahren sind bereits ein bis zwei Monate vorher die erste Tropenstürme unterwegs. Davon blieben wir dieses Jahr noch verschont. Doch die Voraussetzungen sind bereits angelegt.


Denn über der westlichen Sahara hat sich schon das im Frühjahr entstehende Monsuntief gebildet. Aufgrund der Hitze in der Region im Westen Afrikas wird die Luft dünner und der Luftdruck geht entsprechend zurück. Die Abnahme des Luftdrucks bleibt aber nicht bestehen, sondern das Tief füllt sich zeitweise wieder, bildet sich dann aber erneut. Durch die in dieser Region nach Südwesten ausgerichteten Passatwinde wird diese über Tage hinweg stattfindende Luftdruckschwankung nach Westen transportiert.


Anfangs lösen sich die entstehenden Tröge noch auf. Je wärmer es aber über dem Nordatlantik wird, desto stabiler bilden sie sich aus und erreichen auf diese Weise sogar Mittelamerika. Manche gelangen sogar bis in den Pazifik. Die Wärme des Atlantikwassers trägt zur Stabilisierung der Tröge bei und kann somit große Gewitterzellen bilden. Diese können sich wiederum zu starken Tiefs und schließlich zu Tropentiefs verstärken. Je nachdem, wie die Bedingungen in der Region dies erlauben, münden diese Sturmsysteme in Hurrikanen.


Die folgenden Grafiken zeigen die Temperaturen und die Höhe der Tropopause.



Abb. 1: Weltweite Übersicht zur Höhe der Tropopause am 22. April 2019.



Abb. 2: Weltweite Übersicht zur Temperatur auf Höhe der Tropopause am 22. April 2019.


Aktuell ziehen die ersten Tröge vereinzelt über den Nordatlantik. Bei 50° West und einer nördlichen Breite von 26° Nord befindet sich derzeit ein Tief, das auf Meereshöhe einen Luftdruck von 1012 hPa besitzt. Für ein Tropentief ist dies noch zu viel, doch in der Tropopause ist die Situation schon deutlicher. So hat das Tief auf Höhe der Tropopause ein regelrechtes Loch gerissen. Gegenüber dem Hochdruckgebiet auf 40° Nord, das einen Bodendruck von 1034 hPa aufweist, ist die Tropopause um rund 4 km abgesenkt. Gegenüber der Tropoausenhöhe des Tropengürtels, der in diesem Bereich nach Süden verdrängt wird, sind es sogar 7 km.



Abb. 3: Die Höhe der Tropopause auf dem westlichen 50. Längengrad am 22. April 2019.


Die Temperaturen verhalten sich entsprechend. Die Temperatur der Tropopause beträgt über dem Hochdruckgebiet im Norden rund -65°C, über dem Tropengürtel -82°C. Im Kern des Tiefs hingegen ist die Temperatur durch die Absenkung der Grenzschicht auf -45°C angestiegen. Im folgenden Diagramm ist der 'Peek' bei 26° Nord deutlich zu erkennen.



Abb. 4: Die Temperatur auf Höhe der Tropopause auf dem westlichen 50. Längengrad am 22. April 2019.


Der Trog ist derzeit gut ausgebildet, aber für den ersten Tropensturm reicht es noch nicht aus. Die Vorhersagen für die nächsten Tage deuten zudem an, dass sich das Tief in nordwestlicher Richtung weiter bewegt. Dabei soll es sich rasch abschwächen und in die Westwindzone abdriften.


Redaktion meteo.plus