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Warmer Herbst

[08.11.2023]

Bisher ist der Herbst in Deutsch­land sehr warm aus­ge­fallen. Frost und Schnee­fall gab es bis­her nur in der Alpen­region so richtig. Kommt der Winter noch irgend­wann?


Der Sommer war zwar durchweg zu warm, doch meist auch sehr durchwachsen. Schöne wie schlechte Phasen wechselten sich verbreitet ab. Im September holte das Wetter noch mal einiges nach. Regional traten sogar heiße Tage auf, Sommertage sowieso. Im Oktober ging es zwar deutlich kühler zu, doch die erste Hälfte lag klimatisch gesehen noch deutlich über den Normalwerten. Erst Mitte des Monats trat die erste richtige Abkühlung auf, die auf einen nahenden Herbst hindeutete. Frostige Temperaturen gab es dabei immerhin in den höheren Lagen für kurze Zeit.


Der September fiel in Deutschland gegenüber dem Zeitraum 1991-2020 insgesamt 3,4°C zu warm aus. Betrachtet man den Zeitraum 1901-2000, so war der erste Herbstmonat 4,0°C zu warm. Zusätzlich war er zu trocken und zu sonnig. Der Oktober schloss nun mit einem Temperaturplus von 2,5°C an. Gegenüber dem Zeitraum 1901-2000 war er 3,2°C zu warm.


Das geringste Plus bei der Temperatur wurde im Norden Deutschlands registriert. In Schleswig-Holstein war es nur 1,7°C zu warm. In Bayern und Sachsen war es mit 3,0 bzw. 3,2°C am stärksten zu warm.


Ausschlaggebend für die deutlich zu hohen Temperaturen war eine Westwindwetterlage, die uns ständig warme Luft aus dem Südwesten herantransportierte, aber auch warme und feuchte Luft vom Atlantik. Und gerade die feuchten Luftmassen bescherten uns verbreitet kräftige Regenfälle.


Den kühleren Norden traf es dabei am meisten. Mit einer durchschnittlichen Regenmenge von 172 Liter pro Quadratmeter wurde in Schleswig-Holstein das Soll um 91 Liter überschritten. Auch in anderen Regionen regnete es verbreitet mehr als üblich. In Baden-Württemberg gab es nur ein Plus von knapp 4 Litern, in Bayern ein leichtes Defizit von knapp 3 Litern. Im deutschlandweiten Durchschnitt ergab sich ein Plus von über 37 Liter pro Quadratmeter.


Viele Regenwolken bedeuteten gleichzeitig auch wenig Sonne. Im Norden und Nordosten fehlten verbreitet 30 bis 38 Stunden Sonnenschein. Südlich von Mosel und Main gab es hingegen 11 bis 24 Stunden mehr als üblich. Bayern war mit insgesamt fast 135 Stunden am sonnigsten. Insgesamt betrachtet beläuft es sich auf ein Defizit von 8 Sonnenstunden.


Wie es im November weitergeht, bleibt abzuwarten. In den letzten Jahren fiel der letzte Herbstmonat meist 0,5 bis 2°C zu warm aus und war eher zu trocken. Dieses Jahr waren die ersten 7 Tage erneut wenig spätherbstlich. Das Laub an den Bäumen ist war bunt gefärbt, doch Frost ist eine Seltenheit. Am kommenden Wochenende klaren die Nächte etwas auf und es könnte auch in den Niederungen leicht frostig werden. Doch den Winter muss man derzeit in den Höhenlagen der Alpen suchen. Dort gibt es bereits verbreitet Schneefälle.


Über den Winter lässt sich aktuell noch nichts sagen. Es gibt zwar etliche Prognosen, doch diese bei uns in Westeuropa meist wechselhafte Jahreszeit hängt von vielen Einflüssen ab. Sollte sich die intensive Westwindlage fortsetzen, wird es ein milder Winter. Aber noch ist alles möglich.


Im Pazifik wirkt derzeit ein kräftiger El Niño, der viele Regionen der Welt beeinflusst, doch seine Wirkung auf Europa ist uneindeutig. Immerhin profitieren bei uns durch den ergiebigen Regen die Grundwasserspeicher, die in den vergangenen Jahren oft sehr strapaziert wurden.


Redaktion meteo.plus